Nachbericht Forum 1: Zukunft der Arbeit: innovativ, agil und altersstabil

Keine Frage des Alters sondern der Geisteshaltung!
Im von Frank Weber, weber.advisory, moderierten Forum 1 ging es um drei zentrale Fragestellungen: Wie werden Innovationspotenziale freigesetzt? Wie geht agiles Arbeiten und für wen ist es wichtig? Wie werden aus Altersstereotypen Generationenbilder?

Forum 1 World Cafe

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Drei Referenten schilderten zu je einem dieser Themen ihre Sicht der Dinge.
Den Auftaktimpuls zu „Innovation“ gab Stefan Deuser von FlexLink Systems. Er berichtet davon, wie fruchtbar die Zusammenarbeit verschiedener Generationen ist. Früher habe man getrennt entwickelt, heute würden verschiedene Fakultäten und Menschen unterschiedlichen Alters in seinem Unternehmen zusammenarbeiten. Mit folgendem Effekt: „Die Zusammenarbeit auf Augenhöhe zwischen den Generationen lässt beide Seiten wachsen“, so Deuser. Transparent stellt er dann die Arbeitsweisen der „alten“ und „neuen“ Arbeitswelt gegenüber und macht die Vorteile sichtbar: Hierarchien werden durch Netzwerke ersetzt, Controlling durch Verantwortung und anstelle des Planens tritt das Experimentieren. All diese Veränderungen schaffen Raum für Innovation, die seiner Meinung nach keine Frage des Alters, sondern eine Frage der Geisteshaltung ist.
Mit dem Thema „Agilität“ beschäftigte sich Markus Müller von Lilly Deutschland und berichtet zugleich in seinem Impulsreferat, dass man in seinem Unternehmen nicht von „agil“ spreche, weil viele den Begriff lediglich mit modern, hip und digital gleichsetzen. Doch agil bedeute vielmehr, sich auf bestimmte Normen von agilen Unternehmen zu berufen. Dazu gehören Vertrauen, Selbstverantwortung, Selbstorganisation und Zusammenarbeit auf Augenhöhe. Nach diesen Normen arbeite man bei Lilly Deutschland. Richtungsweisend seien hierbei die zirka 20 selbstorganisierten Teams. Eines davon heißt „Young People Development“ und besteht vorwiegend aus jungen Trainees, Studenten und Praktikanten. In Form des Reverse Mentoring vermittle die Generation Y den anderen, wie sie denkt, arbeitet, Entscheidungen trifft. Gleichzeitig profitieren die Youngsters von erfahreneren Kollegen, die sie beispielsweise zu Karrierewegen beraten. Ein weiteres selbstorganisiertes Team nennt sich „Generation L“, Generation Lilly, das Kollegen dabei unterstützt und Konzepte erarbeitet, um die unterschiedlichen Generationen bei Lilly zu verbinden. „Die Zusammenarbeit in heterogenen Teams funktioniert dann gut, wenn eine Homogenität der Werte da ist“, so die Erfahrung von Markus Müller.

Forum 1 World Cafe mit Frau Sylvia Hütte-Ritterbusch

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Den zweiten Impuls hierbei setzte Prof. Dr. Uwe Genz, Neuro-Kompetenz-Akademie, mit wissenschaftlichen Aspekten zu „Agilität und Alter“. Nachgewiesenermaßen sei es keine Frage des Alters, wie fit und leistungsfähig jemand ist. Vielmehr hängt es davon ab, wie aktiv man seine linke und rechte Gehirnhälfte nutze. In anderen Worten: Nicht das Alter sei schuld, wenn das Gehirn abbaue, sondern der Nichtgebrauch des Gehirns befördere den Alterungsprozess. Für Markus Müller unterstreicht dies zusammenfassend die Erkenntnis, dass Agilität und Flexibilität keine Frage des Alters ist.
Sylvia Hütte-Ritterbusch, Impulsreferentin zum Thema „Altersstereotypen und Generationenbilder“, illustrierte, wie man bei Mercedes-Benz versucht, demografiefest zu werden und mit Klischees zum Alter aufzuräumen. Hier hat man mit der Demografie-Initiative YES „Young and Experienced together Successful“ einen innovativen Weg beschritten, um einen Paradigmenwechsel anzustoßen. Ziel ist, der häufig vorherrschenden pessimistischen Grundhaltung gegenüber dem Alter entgegengetreten und die positiven Aspekte des Alters sowie die individuellen Potenziale eines jeden stärker in den Vordergrund zu stellen. Hütte-Ritterbusch präsentierte Elemente der Initiative, wozu auch die Ausstellung „Ey Alter“, die in Stuttgart lief und ab Mai in Berlin zu sehen ist, gehört.
Interaktiv können sich Unternehmen, Schulklassen und Interessierte mit dem Thema Demografie auseinandersetzen. Wie gefährlich Altersstereotypen sind, veranschaulichte Hütte-Ritterbusch mit Tests, die als Teil der Initiative durchgeführt wurden: So ließen sich Leistungen dadurch negativ beeinflussen, in dem man Menschen einredete, sie seien langsamer, schlechter, schwächer als andere. Ein weiterer Test zeigt Menschen jeden Alters, die zwei Durchgangstore zur Wahl haben und spontan nach Gefühl entscheiden müssen, ob sie durch das Tor gehen, auf dem „jung“ steht, oder das, welches mit „alt“ markiert ist. „Alter ist vor allem eins: sehr unterschiedlich“, so die Botschaft dieses Versuchs.
Vertiefung der Themen im World Café

Forum 1 World Cafe

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Vertieft wurden die Themen der Impulsreferate dann im World Café an moderierten Thementischen. Die Teilnehmer des Forums kamen dabei miteinander zu den jeweiligen Themen intensiv ins Gespräch und sammelten Ideen, Ansätze und Methoden, wie sich das „Miteinander der Generationen stärken und deren Innovationskraft heben“ lässt, welche „Herausforderungen von Agilität“ es gibt und wie man „Altersstereotypen“ begegnen kann. Die Ergebnisse der Diskussionsrunden fassten die Hauptmoderatoren der jeweiligen Themen zusammen. Stefan Deuser resümierte für den Schwerpunkt „Innovation“:

- Innovation muss von innen herauskommen
- Innovation kann man nicht befehlen
- Unternehmen müssen dafür sorgen, dass eine Innovationskultur geschaffen wird auf der Ideen gedeihen können u.a. in dem sie Personen in
Verantwortung bringen und sie machen lassen

- Unternehmen müssen, bereits in der Geschäftsführung, Freiräume für Innovation schaffen

Die Ergebnisse des Thementischs 2 präsentierten Hauptgastgeber Markus Müller und Professor Genz. Diskutiert wurden dabei vor allem die Fragen, was Agilität ist und wann sie gebraucht wird. Insbesondere dann, wenn die Arbeitsbelastung hoch und das Silodenken in Unternehmen stark verankert ist, ist eine Flexibilisierung der Strukturen in Verbindung mit Offenheit, Ehrlichkeit, Authentizität notwendig. Dass die Entwicklung von Agilität Zeit braucht und in kleinen Schritten erfolgen muss, wurde ebenfalls facettenreich diskutiert. Folgende Erkenntnisse leiteten sich daraus ab:
Um agil zu sein, ist es wichtig

- die Unternehmenskultur anzupassen,
- den Beteiligten die Vorteile zu verdeutlichen und sie „auf die Reise“ mitzunehmen,
- sich um sie zu kümmern,
- und sie hinsichtlich lebenslangem Lernen kontinuierlich zu fördern und zu fordern.

„Wie können wir Altersstereotypen begegnen?“ Silvia Hütte-Ritterbusch war hier Hauptgastgeberin und präsentierte abschließend verschiedene Maßnahmenebenen, die diskutiert wurden. Geäußert wurde der Wunsch,

- die Politik stärker in die Pflicht zu nehmen. Sie solle Rahmenbedingungen schaffen, die im Umgang mit Altersstereotypen helfen. Präventiv wie reaktiv.

- Auch die Verantwortung, die Führungskräfte in Unternehmen tragen, war ein wiederkehrendes Thema. Sie könnten mit gutem Vorbild vorangehen und sich weiterbilden, beispielsweise auch, um eine qualifizierte Fehlerkulturanalyse zu erlernen und diese weiterzugeben. Schulungen für Mitarbeiter wären zudem wünschenswert.

- Ebenso wurde immer wieder die Zusammenarbeit in gemischten Teams und gegenseitiges Mentoring mit Wertschätzung und auf Augenhöhe als wichtige Ansätze genannt, um Altersstereotypen abzubauen oder gar nicht erst entstehen zu lassen.

Deuser_Arbeit-und-Demographie-im-Wandel als PDF-Download 1MB

Hütte-Ritterbusch_DDN_Demografiekongress_Frankfurt_2018_03_22_EYALTER als PDF-Download 27MB