Kongress 2014

„Die Zukunft soll man nicht voraussehen wollen …

36 (Custom)… sondern möglich machen.“ Nicht nur inspiriert durch dieses Zitat von Antoine de Saint-Exupéry richtete das Demografienetzwerk den Blick nach vorne: Unter dem Titel „Zukunfts(T)raum für FrankfurtRheinMain beschäftigte sich der diesjährige Demografiekongress mit der künftigen Lebens- und Arbeitswelt unserer Region. Über 500 Teilnehmer erlebten am 9. April eine Keynote, sechs Foren und ein buntes Rahmenprogramm.
Dass das Thema Demografie keinerseits an Relevanz verloren hat, unterstrich IHK-Präsident Prof. Dr. Mathias Müller in seiner Eröffnungsrede. Laut ihm sei es unabdingbar, regionale Spezifika zu betrachten: „FrankfurtRheinMain hat alle Grundlagen, um den demografischen Wandel zu bewältigen und seine Chancen zu nutzen. Dazu muss die Region gemeinsam an einem Strang ziehen. Der demografische Wandel unterscheidet sich von Region zu Region“, betonte Müller.

37 (Custom)Zeit also, an morgen zu denken. Wie steht es um die Zukunft der Arbeitswelt? Fragt man die Expertin Prof. Dr. Jutta Rump, wird klar: Diese wird sich in den kommenden Jahren drastisch verändern. In Zahlen: Bis 2030 werden bis zu 6,5 Millionen Fachkräfte fehlen. „Außerdem kommt der demografische Wandel in Begleitung: Megatrends wie Globalisierung, technischer Fortschritt oder auch ein gesellschaftlicher Wandel bestimmen die Rahmenbedingungen der Zukunft“, so die Leiterin des Instituts für Beschäftigung und Employability in Ludwigshafen. Um sich an die „Arbeitswelt 2030“ anzupassen, bedarf es laut Rump deshalb bestimmter Reformschritte, nicht zuletzt betreffend des Systems Arbeit. „Unternehmen stehen nicht nur auf dem Arbeitsmarkt in Konkurrenz zueinander. Die Personalbeschaffung und –gewinnung wird in der kommenden Zeit zunehmend zu einem strategischen Faktor“, so die Wissenschaftlerin in ihrer Keynote.

Doch nicht nur die Wirtschaft sollte die Ärmel hochkrempeln. Im ersten Bistro-Talk machte Wolf Matthias Mang, Vorstandsvorsitzender der HESSENMETALL und Vizepräsident der VhU, deutlich, dass auch die Politik die Arbeitswelt von morgen fokussieren sollte: „Die hessische Wirtschaft packt den Stier inzwischen bei den Hörnern: Immer mehr Unternehmen installieren z. B. ein Gesundheitsmanagement, kümmern sich verstärkt um die Fachkräftesicherung und stellen sich flexibel auf die Bedürfnisse verschiedener Lebensphasen ein. Die Politik hingegen legt mit ihrem Rentenpaket gerade eine fulminante Rolle rückwärts hin: Weg von Zukunftsbewältigung, hin zu mehr Umverteilung. Das gerade beschlossene Rentenpaket kostet zum Beispiel 230 Milliarden Euro. Dafür könnte man 230.000 Lehrerstellen oder 1,2 Millionen Kitaplätze schaffen oder Schulden abbauen. Das wären generationengerechte Zukunftsinvestitionen.“ Auch bei der SAMSON AG wurden die Zeichen der Zeit längst erkannt. Personalleiter Matthias Ganz gab dem Plenum Einblicke in seine Arbeit, die auf einer guten Analyse basiert: „Welche Mannschaft hat das Unternehmen? Ein gutes Demografieprogramm setzt immer an der Analyse der eigenen Belegschaft an. Altersstruktur, Zugehörigkeitsdauer, Fluktuation und Personalschwund in kritischen Tätigkeitsfeldern lassen sich messen und prüfen, was allemal besser ist, als auf panische Vermutungen zu reagieren.“

50 (Custom)„Spricht man über Frankfurt und sein Umland, so geht es meist um die Wirtschaft“, formulierte es Olaf Cunitz im Bistro-Talk 2 und leitete damit in das Thema „ZukunftsRaum – Die Region FrankfurtRheinMain 2030“ ein. Schließlich birgt der demografische Wandel große gesellschaftliche Herausforderungen. Die momentan drängendste: Wohnraum. Für das wachsende Ballungsgebiet haben der Regionalverband FrankfurtRheinMain und die Stadt Frankfurt 370 Hektar Potentialflächen identifiziert. Doch ohne die Bürgerinnen und Bürger seien eine zukunftsorientierte Regional- und Stadtentwicklung nicht möglich, betonte Ludger Stüve, Direktor des Regionalverbands: „Eine Planungspolitik von oben herab funktioniert nicht.“

Prof. Dr. Thomas Klie, Direktor des Zentrums für Zivilgesellschaftliche Entwicklung, machte zudem deutlich, dass Bürgerbeteiligung auch die Identifikation der Bewohner mit Ihrem Wohnort steigert. Nicht nur Stadt und Leute, sondern auch die verschiedenen Kommunen der Region sollten sich stärker vernetzen: „Wir stehen Bündnissen und Austausch offen gegenüber“ bestätigte Renate Wolf, Bürgermeisterin der Gemeinde Sulzbach.
Um gegenseitigen Austausch ging es auch am Nachmittag: In sechs Foren diskutierten die Teilnehmer über Familie und Beruf, Nachwuchs 2.0, Corporate Learning, Gesundheit, Kommunen und Europa.

Passender Rahmen
33 (Custom)Für große Begeisterung sorgte die Poetry-Slam-Darbietung der jungen Künstlerin Jule Weber. In ihrem Stück wurden die Arbeitswelt zum Orchester und der Demograf zum Dirigenten. Für musikalische Untermalung während den Pausen sorgten die Streetles.

84 (Custom)Mehrere „Graphic Recorder“ erstellten eine visuelle Dokumentation des Kongresses. „Klasse, so bleiben die Eindrücke viel länger im Kopf“, bemerkte eine Besucherin im Vorbeigehen. Mehr zu sehen gab es außerdem im Daumenkino, dem Brainflow-Workshop von B.A.D. und an verschiedenen Infoständen.
Das Demografienetzwerk FrankfurtRheinMain freut sich bereits auf dem Kongress im nächsten Jahr, der am 23. April 2015 stattfinden wird.

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