Kongress-Nachbericht: Gesundheit

Erholung gegen die Entgrenzung der Arbeit?
294A6016 (Small)Die zunehmende Entgrenzung der Arbeit gilt als ein wichtiger Faktor psychischer Belastungen. Das Forum Gesundheit befasste sich mit möglichen Gegenmaßnahmen, also anders gesagt, dem Erholungspotential der Arbeit. Moderiert wurde das Forum von der stellvertretenden Geschäftsführerin des Berufsförderungswerkes Frankfurt, Maria Klink und Dr. Ralf Geruschkat, dem Geschäftsführer Wirtschaftspolitik und Metropolentwicklung der IHK Frankfurt.

Wie geht Erholung? Neuste Erkenntnisse der Erholungsforschung
Den Auftakt machte Prof. Dr. Dieter Zapf, Professor für Arbeits- und Organisationspsychologie an der Goethe-Universität in Frankfurt mit seinem Vortrag, „Wie geht Erholung? Neuste Erkenntnisse aus der Erholungsforschung“. Er lieferte damit die theoretische und wissenschaftliche Grundlage für das Forum Gesundheit. Laut Zapf stellt die Zunahme psychischer Erkrankungen in den letzten Jahren, die zumindest teilweise auf die Arbeit zurückzuführen ist, die zugrunde liegende Problemlage dar. Das Stichwort Stress spielt hier eine große Rolle: Dieser definiert sich als ein Ungleichgewicht zwischen den Anforderungen der Umwelt und den persönlichen Leistungsvoraussetzungen. Leistung und Gesundheit resultieren im Idealfall aus einem Ausgleich zwischen unseren Stressoren und Ressourcen, wobei die Stressoren auch positiv wirken können. Doch Stress gibt es nicht nur im Berufsleben, auch im Privatleben kann dieser entstehen und dann wechselseitig auf das andere Feld wirken. Die „Work-Life-Balance“, die sich in aller Munde befindet, sollte also zum Ziel haben, dass sich die Arbeit und das Privatleben ergänzen. Oder kurz gesagt: Es sollte zu einem „Crossover“ der Lebensbereiche kommen. Für dieses Crossover ist Erholung wichtig. Mit diesem Begriff meint Zapf die Rückkehr der Funktionssysteme in ihren Ausgangszustand. Doch wie funktioniert Erholung? Bereits 18 bis 25 Tage nach dem Urlaub ist der positive Effekt eines Urlaubs verschwunden. Der Fokus in Sachen Regeneration muss also auf den Wochenenden und der täglichen Erholung liegen. Wichtig ist es also zu lernen, die Arbeit gedanklich hinter sich zu lassen und abzuschalten. Hierfür ist ein aktives Gegensteuern notwendig. Prof. Dr. Zapf empfiehlt Sport zu treiben, bevor die persönlichen Ressourcen erschöpft sind und eine eigene Freizeitroutine aufzubauen.

Die „richtige“ Abgrenzung zwischen Arbeit und Freizeit – Ein Geschäftsführer im Talk
Als Geschäftsführer für Personal und Organisation bei Galeria Kaufhof in Frankfurt, kommt Siegbert Gebhard aus der Praxis und befasst sich täglich mit dem Themenkomplex, in den Prof. Dr. Zapf eingeführt hat. Auch Herr Gebhard konnte eine Entgrenzung der Arbeit in seinem Unternehmen wahrnehmen und vertritt die Position, dass die neuen Medien die Erholung hindern. Um eine Übertragung der privaten Probleme auf die Arbeit möglichst gering zu halten bzw. zu unterbinden, hat Herr Gebhard ein Handyverbot für Mitarbeiter, in den von Kunden zugänglichen Bereichen eingeführt. So soll ein „Abschalten von Zuhause“ möglich sein, auch wenn die Mitarbeiter dann die Pausen oftmals dazu nutzen, sich besonders intensiv ihrem Handy zu widmen.

Achtsamkeit, die hessischen Gesundheitstage und Employee Assistance Programme
294A6019 (Small)Welche Services werden angeboten? Der dritte Teil des Forums widmet sich verschiedenen Gesundheitsdienstleistungen, die Unternehmen in Anspruch nehmen können. Als qualifizierte Achtsamkeitslehrerin, gab Valérie Saintot sowohl einen theoretischen, als auch einen praktischen Einblick in das Themenfeld Achtsamkeit. Achtsamkeit beschreibt Frau Saintot als eine bestimmte Form der Aufmerksamkeit, bei der sich absichtsvoll und ohne Wertung auf den gegenwärtigen Moment bezogen wird. Der daraus resultierende Vorgang der Achtsamkeit sieht vor, dass zuerst ein Bewusstsein über die Stresssituation geschaffen werden muss, dann eine Intervention erfolgt und schließlich ein neuer (stressreduzierter) Zustand eintritt. Auf diese theoretische Einführung, folgte zum Abschluss eine praktische Übung zur Achtsamkeit für alle Teilnehmenden des Forums.

Petra Kraus, vom Zentrum für Betriebliches Gesundheitsmanagement, kurz B·A·D und Dr. Marc Valentin von AbbVie, stellten die hessischen Gesundheitstage, als ein Beispiel für eine Mitmachaktion im betrieblichen Gesundheitsmanagement vor. Ziel dieser Aktion ist eine erfolgreiche Organisationsentwicklung und die Etablierung des betrieblichen Gesundheitsmanagements als Management-Tool für Unternehmen. Um die Mitarbeiter für das Thema zu gewinnen, wurden die sogenannten Aktivminuten entwickelt, die nach einer sportlichen Betätigung, auf das persönliche Gesundheitskonto eingezahlt werden.

Die INSITE Interventions GmbH und deren Employee Assistance Programme, kurz EAP, wurde von Dr. Hansjörg Becker, dem Geschäftsführer, mit dem Vortrag „365TageimJahr7TagedieWoche24StundenamTagLebenundArbeitengesundmanagen – aber wie?“, vorgestellt. Bei dem Employee Assistance Program, handelt es sich um eine externe Mitarbeiterberatung, die sich unter anderem das Ziel gesetzt hat, die stressbedingten Gesundheits- und Leistungseinbußen in den Unternehmen, zu minimieren. Hierfür bietet INSITE ein externes Expertencoaching der Mitarbeiter, zum Beispiel in Form telefonischer Beratungen oder Team Coachings, an.

Speakers Corners
Im Anschluss an die Präsentationen im Forum Gesundheit gab es die Möglichkeit, sich in drei Speakers Corners über die vorgestellten Aspekte des betrieblichen Gesundheitsmanagements zu informieren und mit Dr. Ralf Geruschkat und Maria Klink über die weiteren Tätigkeiten des Arbeitskreises Gesundheit des Demografienetzwerk FrankfurtRheinMain zu diskutieren.

Vortrag „Wie geht Erholung? Neueste Erkenntnisse aus der Erholungsforschung“, Prof. Dr. Dieter Zapf
Vortrag „Erholen will geübt sein – Kurze Einführung in die Achtsamkeit mit praktischer Übung“, Valerie Saintot
Vortrag „365TageimJahr7TagedieWoche24StundenamTagLebenundArbeitengesundmanagen – aber wie?“, Dr. Hansjörg Becker
Vortrag “Gesundheit in hessischen Unternehmen: Mitmachaktion „Hessen bewegt was“”, Petra Kraus, Dr. Marc Valentin

Autor: Patrick Grosmann